Ich miste gerade aus, und es ist erschütternd, wie viel ich für Fälle aufgehoben habe, die nie eingetreten sind. Das gute Geschirr für den Besuch, der so feierlich war, dass er nie kam. Das Kleid für den Anlass, der sich nie ergab. Die Kerzen, zu schön zum Anzünden. Eine ganze Schublade voll Ersatzakkus für Geräte, die ich längst nicht mehr besitze. Es ist, als hätte ich mein halbes Leben lang Vorräte angelegt für eine Zukunft, die höflich und völlig unbemerkt an mir vorbeigegangen ist.
Und während ich das alles in Kisten sortiere, merke ich, dass ich nicht nur Dinge aufgehoben habe. Ich habe auch Vorhaben eingelagert. Pläne, Gespräche, Träume. Immer mit demselben leisen Versprechen an mich selbst, fast zärtlich. Bald. Bald, wenn die Kinder größer sind. Bald, wenn die Beziehung sich entfaltet hat. Bald, wenn ich endlich genug verstanden habe, um zu wissen, was ich eigentlich will. Bis dahin sitze ich in einer Art Wartezimmer und tue so, als läse ich die ausgelegte Zeitschrift, während ich in Wahrheit nur darauf warte, aufgerufen zu werden.
Es gibt eine Untersuchung des Psychologen Hal Hershfield, die mich auf fast komische Weise getroffen hat. Er zeigt, dass wir unser zukünftiges Ich im Gehirn behandeln wie eine fremde Person. Eher wie diese entfernte Bekannte, der man verspricht, mal wieder zusammen Kaffee zu trinken, ohne es ernsthaft vorzuhaben. Und so überlassen wir der armen Frau in der Zukunft lauter unbequeme Dinge, als wäre sie nicht auch wir, nur müder und mit anderen Brillengläsern.
Dabei findet das Leben gar nicht irgendwann statt, in dieser besser ausgeleuchteten Zukunft, sondern jetzt. In diesem halbfertigen, viel zu schnell vorbeiziehenden Jetzt, während du das hier liest und vielleicht überlegst, ob du noch einen Tee aufsetzt.
Der rührendste Irrtum, finde ich, ist dieser. Dass wir auf Klarheit warten, bevor wir losgehen. Als lichte sich der Nebel von selbst und ein Pfeil erscheine am Himmel. Aber Klarheit kommt fast nie vorher. Sie entsteht erst, während man geht, ungefähr so, wie man erst beim Tanzen merkt, ob einem das Lied gefällt. Manchmal reicht dafür eine lächerlich kleine Entscheidung. Das Gespräch tatsächlich führen, statt es im Kopf zu proben. Die Bewerbung abschicken, vor der vierzehnten Verbesserung. Laut aussprechen, was man sich wünscht, auch wenn die Stimme dabei zittert.
Denn meistens ist es nicht die Angst vor der Veränderung, die uns festhält. Es ist die stille Hoffnung, dass wir irgendwann bereit sein werden. Vollständig, ausgeruht, mit allen guten Gläsern im richtigen Schrank.
Aber vielleicht müssen wir das gar nicht. Vielleicht reicht es, offen zu sein. Und offen ist man schon, sobald man zugibt, dass man es noch nicht weiß. Vielleicht ist genau das der Mut, der zählt. Das eigene Leben nicht länger zu behandeln, als käme es erst nach dem Wartezimmer. Und die guten Gläser einfach heute herauszuholen.
Ich miste gerade aus, und es ist erschütternd, wie viel ich für Fälle aufgehoben habe, die nie eingetreten sind. Das gute Geschirr für den Besuch, der so feierlich war, dass er nie kam. Das Kleid für den Anlass, der sich nie ergab. Die Kerzen, zu schön zum Anzünden. Eine ganze Schublade voll Ersatzakkus für Geräte, die ich längst nicht mehr besitze. Es ist, als hätte ich mein halbes Leben lang Vorräte angelegt für eine Zukunft, die höflich und völlig unbemerkt an mir vorbeigegangen ist.
Und während ich das alles in Kisten sortiere, merke ich, dass ich nicht nur Dinge aufgehoben habe. Ich habe auch Vorhaben eingelagert. Pläne, Gespräche, Träume. Immer mit demselben leisen Versprechen an mich selbst, fast zärtlich. Bald. Bald, wenn die Kinder größer sind. Bald, wenn die Beziehung sich entfaltet hat. Bald, wenn ich endlich genug verstanden habe, um zu wissen, was ich eigentlich will. Bis dahin sitze ich in einer Art Wartezimmer und tue so, als läse ich die ausgelegte Zeitschrift, während ich in Wahrheit nur darauf warte, aufgerufen zu werden.
Es gibt eine Untersuchung des Psychologen Hal Hershfield, die mich auf fast komische Weise getroffen hat. Er zeigt, dass wir unser zukünftiges Ich im Gehirn behandeln wie eine fremde Person. Eher wie diese entfernte Bekannte, der man verspricht, mal wieder zusammen Kaffee zu trinken, ohne es ernsthaft vorzuhaben. Und so überlassen wir der armen Frau in der Zukunft lauter unbequeme Dinge, als wäre sie nicht auch wir, nur müder und mit anderen Brillengläsern.
Dabei findet das Leben gar nicht irgendwann statt, in dieser besser ausgeleuchteten Zukunft, sondern jetzt. In diesem halbfertigen, viel zu schnell vorbeiziehenden Jetzt, während du das hier liest und vielleicht überlegst, ob du noch einen Tee aufsetzt.
Der rührendste Irrtum, finde ich, ist dieser. Dass wir auf Klarheit warten, bevor wir losgehen. Als lichte sich der Nebel von selbst und ein Pfeil erscheine am Himmel. Aber Klarheit kommt fast nie vorher. Sie entsteht erst, während man geht, ungefähr so, wie man erst beim Tanzen merkt, ob einem das Lied gefällt. Manchmal reicht dafür eine lächerlich kleine Entscheidung. Das Gespräch tatsächlich führen, statt es im Kopf zu proben. Die Bewerbung abschicken, vor der vierzehnten Verbesserung. Laut aussprechen, was man sich wünscht, auch wenn die Stimme dabei zittert.
Denn meistens ist es nicht die Angst vor der Veränderung, die uns festhält. Es ist die stille Hoffnung, dass wir irgendwann bereit sein werden. Vollständig, ausgeruht, mit allen guten Gläsern im richtigen Schrank.
Aber vielleicht müssen wir das gar nicht. Vielleicht reicht es, offen zu sein. Und offen ist man schon, sobald man zugibt, dass man es noch nicht weiß. Vielleicht ist genau das der Mut, der zählt. Das eigene Leben nicht länger zu behandeln, als käme es erst nach dem Wartezimmer. Und die guten Gläser einfach heute herauszuholen.