GLP-1-Analoga ahmen die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 nach. GLP-1 steht für „Glucagon-like Peptide-1“ und gehört zu den sogenannten Inkretinen. Diese Hormone werden nach dem Essen im Darm freigesetzt und spielen unter anderem eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutzuckers. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann diese sogenannte Inkretinwirkung abgeschwächt sein. GLP-1-Analoga setzen genau hier an: Sie binden an denselben Rezeptor wie das körpereigene GLP-1 und verstärken dadurch bestimmte Prozesse im Körper.
Ein wichtiger Unterschied zum natürlichen Hormon ist die Wirkungsdauer. Während körpereigenes GLP-1 innerhalb weniger Minuten wieder abgebaut wird, sind GLP-1-Analoga so aufgebaut, dass sie deutlich länger im Körper wirksam bleiben. Dabei haben sie mehrere Effekte gleichzeitig. Sie fördern die Insulinausschüttung, wenn der Blutzuckerspiegel erhöht ist, und bremsen die Ausschüttung des Hormons Glukagon. Außerdem verlangsamen sie die Magenentleerung. Dadurch kann das Sättigungsgefühl länger anhalten.
Über entsprechende Rezeptoren im Gehirn beeinflussen GLP-1-Analoga zudem Hunger- und Sättigungssignale. Zusammengenommen erklären diese Wirkungen, warum die Medikamente einerseits den Blutzucker senken und andererseits auch die Gewichtsabnahme unterstützen können.
Die folgende Übersicht ordnet die verschiedenen Wirkstoffe neutral ein. Sie stellt keine Rangliste dar und ist nicht als Empfehlung für einen bestimmten Wirkstoff zu verstehen.
| Wirkstoff | Handelsname(n) | Anwendung | Status in Deutschland |
| Exenatid | Byetta® (2× täglich), Bydureon® (1× wöchentlich) | Typ-2-Diabetes | historischer Wirkstoff, in Deutschland nicht mehr durchgehend im Handel verfügbar |
| Lixisenatid | Lyxumia® | Typ-2-Diabetes | seit 2014 nach einer Auseinandersetzung um die Erstattungshöhe vom deutschen Markt genommen |
| Liraglutid | Victoza® (Diabetes), Saxenda® (Adipositas) | Typ-2-Diabetes und Adipositas, je nach Handelsname | verfügbar, tägliche Injektion |
| Dulaglutid | Trulicity® | ausschließlich Typ-2-Diabetes | verfügbar, wöchentliche Injektion |
| Semaglutid | Ozempic® (Diabetes), Wegovy® (Adipositas), Rybelsus® (Diabetes, oral) | Typ-2-Diabetes und Adipositas, je nach Handelsname | verfügbar, wöchentliche Injektion beziehungsweise tägliche Tablette |
Zu den klassischen GLP-1-Rezeptoragonisten gehören unter anderem:
Zwei weitere Wirkstoffe werden häufig ebenfalls zusammen mit GLP-1-Analoga genannt, unterscheiden sich aber in ihrem Wirkmechanismus:
Tirzepatid (Mounjaro®) wirkt nicht nur am GLP-1-Rezeptor, sondern zusätzlich am Rezeptor für das insulinotrope Peptid GIP. Es wird deshalb als dualer GIP-/GLP-1-Rezeptoragonist bezeichnet.
Retatrutid geht noch einen Schritt weiter: Der Wirkstoff ist ein sogenannter Triple-Agonist und wirkt zusätzlich am Glukagonrezeptor. Retatrutid befindet sich derzeit noch in der klinischen Prüfung und ist bislang in keinem Land zugelassen.
Auch Orforglipron gehört nicht zu den klassischen Peptid-Analoga. Dabei handelt es sich um einen niedrigmolekularen GLP-1-Rezeptoragonisten, der als Tablette eingenommen werden kann. In den USA wurde Orforglipron im April 2026 unter dem Handelsnamen Foundayo® zugelassen. Eine Zulassung in der EU steht bislang aus.
Bei GLP-1-Analoga lohnt sich ein genauer Blick auf die Zulassung. Denn auch wenn die Wirkstoffe zur gleichen oder zu einer verwandten Wirkstoffgruppe gehören, sind sie nicht automatisch für dieselben Anwendungsgebiete zugelassen.
Einige Wirkstoffe sind ausschließlich für die Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Dazu gehören beispielsweise Dulaglutid (Trulicity®) sowie Semaglutid in den Darreichungsformen Ozempic® und Rybelsus®. Auch ältere Wirkstoffe wie Exenatid und Lixisenatid wurden beziehungsweise werden in diesem Zusammenhang eingesetzt.
Dass ein Wirkstoff dabei auch zu einer Gewichtsabnahme führen kann, bedeutet nicht automatisch, dass er dafür zugelassen ist. Eine entsprechende Anwendung kann unter bestimmten Umständen außerhalb der zugelassenen Indikation erfolgen, ist dann aber eine sogenannte Off-Label-Anwendung.
Für die Behandlung von Adipositas beziehungsweise Übergewicht mit Begleiterkrankungen ist Semaglutid unter dem Handelsnamen Wegovy® zugelassen. Auch Liraglutid ist unter dem Namen Saxenda® für die Gewichtsreduktion zugelassen.
Bei einigen Wirkstoffen gibt es unterschiedliche Präparate beziehungsweise Handelsnamen für die verschiedenen Anwendungsgebiete. So ist Semaglutid unter Ozempic® für Typ-2-Diabetes und unter Wegovy® für die Behandlung von Adipositas zugelassen. Auch Liraglutid wird unter verschiedenen Handelsnamen eingesetzt: Victoza® bei Typ-2-Diabetes und Saxenda® zur Gewichtsreduktion. Der duale Wirkstoff Tirzepatid (Mounjaro®) ist sowohl für Typ-2-Diabetes als auch für Adipositas zugelassen. Je nach Anwendungsgebiet gelten dabei unterschiedliche Dosierungsempfehlungen.
Diese Unterscheidung ist nicht nur eine Formalität. Die Zulassung legt fest, für welche Erkrankung und welche Patientengruppe ein Arzneimittel auf Grundlage der entsprechenden Studien eingesetzt werden darf.
Da GLP-1-Analoga ähnliche Wirkmechanismen haben, überschneiden sich auch ihre Nebenwirkungen. Besonders häufig betreffen sie den Magen-Darm-Trakt.
Typisch sind beispielsweise:
Solche Beschwerden treten vor allem zu Beginn der Behandlung und häufig auch dann auf, wenn die Dosis erhöht wird.
Seltener können ernstere Nebenwirkungen wie eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Probleme mit der Gallenblase auftreten. Wie häufig einzelne Nebenwirkungen vorkommen, unterscheidet sich allerdings je nach Wirkstoff und Dosierung. Für genaue Angaben sind deshalb immer die jeweiligen Fach- und Gebrauchsinformationen des konkreten Präparats entscheidend.
Auch bei den Gegenanzeigen gibt es Gemeinsamkeiten, gleichzeitig unterscheiden sich die einzelnen Wirkstoffe in einigen Details. Ein wichtiger Klassenwarnhinweis betrifft Menschen mit einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte eines medullären Schilddrüsenkarzinoms sowie Menschen mit dem Syndrom der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN 2). Dieser Hinweis geht auf Beobachtungen aus präklinischen Studien mit Nagetieren zurück.
GLP-1-Analoga dürfen außerdem nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff oder einen seiner sonstigen Bestandteile besteht. Auch Schwangerschaft und Stillzeit gehören zu den Situationen, in denen eine Behandlung mit diesen Wirkstoffen nicht vorgesehen ist. Bei schweren Magen-Darm-Erkrankungen, beispielsweise einer ausgeprägten Gastroparese, sowie bei schweren Erkrankungen der Nieren oder Leber ist besondere ärztliche Vorsicht erforderlich. Hier stehen teilweise nur eingeschränkte Studiendaten zur Verfügung. Welche Gegenanzeigen tatsächlich gelten, hängt vom jeweiligen Wirkstoff ab. Entscheidend ist deshalb immer die Fachinformation des konkreten Arzneimittels.
Bevor ein GLP-1-Analogon verschrieben wird, steht eine ärztliche Abklärung. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob der Wirkstoff grundsätzlich zur gewünschten Behandlung passt.
Zunächst werden unter anderem Vorerkrankungen und bisher eingenommene Medikamente berücksichtigt. Außerdem wird geprüft, ob Gegenanzeigen oder andere Gründe gegen eine Behandlung sprechen. Anschließend können Nutzen, mögliche Risiken und – je nach Präparat und Indikation – auch die Kosten der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten besprochen werden. Welche Option am besten passt, sollte gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt entschieden werden. Eine solche Abklärung kann beispielsweise bei der Hausärztin oder beim Hausarzt, in einer spezialisierten Diabetes- oder Adipositas-Ambulanz oder über ein qualifiziertes telemedizinisches Angebot erfolgen.
GLP-1-Analoga ahmen die Wirkung des körpereigenen Darmhormons GLP-1 nach. Sie fördern unter anderem die Insulinausschüttung, bremsen die Glukagonfreisetzung und verlangsamen die Magenentleerung. Dadurch können sie sowohl bei der Blutzuckerkontrolle als auch bei der Gewichtsreduktion eine Rolle spielen. Trotz der gemeinsamen Wirkweise sind die einzelnen Wirkstoffe nicht gleich. Sie unterscheiden sich unter anderem in ihrer Zulassung, ihrer Verfügbarkeit, ihrer Anwendung und ihrer Wirkung. Während einige Präparate ausschließlich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen sind, können andere bei Adipositas eingesetzt werden. Manche Wirkstoffe sind für beide Anwendungsgebiete zugelassen. Einige ältere Vertreter der Wirkstoffklasse sind in Deutschland inzwischen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt erhältlich.
Welcher Wirkstoff im Einzelfall infrage kommt, hängt von der individuellen gesundheitlichen Situation und den jeweiligen Zulassungskriterien ab. Die Entscheidung sollte deshalb immer im Rahmen einer ärztlichen Abklärung getroffen werden.
Was ist der Unterschied zwischen GLP-1-Analoga und Tirzepatid?
GLP-1-Analoga wirken am GLP-1-Rezeptor. Tirzepatid (Mounjaro®) wirkt ebenfalls dort, bindet zusätzlich aber an den Rezeptor für das Hormon GIP. Deshalb wird Tirzepatid als dualer GIP-/GLP-1-Rezeptoragonist bezeichnet.
Sind alle GLP-1-Analoga zum Abnehmen zugelassen?
Nein. Nicht jedes GLP-1-Analogon ist für die Gewichtsreduktion zugelassen. Dulaglutid (Trulicity®) und Semaglutid in der Form Ozempic® sind beispielsweise zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Für die Gewichtsreduktion bei Adipositas sind Semaglutid unter dem Handelsnamen Wegovy® und Liraglutid unter dem Namen Saxenda® zugelassen.
Welche GLP-1-Analoga sind in Deutschland nicht mehr erhältlich?
Lixisenatid (Lyxumia®) wurde 2014 infolge einer Auseinandersetzung um die Erstattungshöhe vom deutschen Markt genommen. Auch Exenatid-Präparate wie Byetta® und Bydureon® sind in Deutschland inzwischen nicht mehr durchgehend verfügbar.
Wirken alle GLP-1-Analoga gleich stark?
Nein. Die Wirkung kann sich zwischen den einzelnen Wirkstoffen und Studien deutlich unterscheiden. Ältere Wirkstoffe wie Exenatid oder Liraglutid zeigten in Studien tendenziell geringere Effekte auf das Körpergewicht als neuere Wirkstoffe wie Semaglutid. Tirzepatid erzielte in Studien innerhalb dieser erweiterten Wirkstoffgruppe im Mittel eine stärkere Gewichtsreduktion. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Mensch gleich auf einen Wirkstoff reagiert. Das individuelle Ansprechen kann deutlich unterschiedlich ausfallen.
Kann meine Hausärztin / mein Hausarzt GLP-1-Analoga verschreiben?
Grundsätzlich können GLP-1-Analoga sowohl von Hausärztinnen und Hausärzten als auch von entsprechenden Fachärztinnen und Fachärzten verschrieben werden. Ob ein bestimmter Wirkstoff im Einzelfall infrage kommt, hängt unter anderem von der Diagnose, den jeweiligen Zulassungskriterien, möglichen Gegenanzeigen und weiteren gesundheitlichen Faktoren ab.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über die Wirkstoffklasse der GLP-1-Analoga und stellt keine Werbung für ein bestimmtes verschreibungspflichtiges Arzneimittel dar. Er enthält keine Empfehlung für oder gegen eine bestimmte Behandlung und keine Aufforderung, ein Rezept anzufragen oder ein bestimmtes Präparat zu bestellen. Ob eine Behandlung mit einem zugelassenen Präparat infrage kommt, sollte immer gemeinsam mit den behandelnden Ärzt:innen auf Grundlage der individuellen Krankengeschichte erfolgen.
GLP-1-Analoga ahmen die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 nach. GLP-1 steht für „Glucagon-like Peptide-1“ und gehört zu den sogenannten Inkretinen. Diese Hormone werden nach dem Essen im Darm freigesetzt und spielen unter anderem eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutzuckers. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann diese sogenannte Inkretinwirkung abgeschwächt sein. GLP-1-Analoga setzen genau hier an: Sie binden an denselben Rezeptor wie das körpereigene GLP-1 und verstärken dadurch bestimmte Prozesse im Körper.
Ein wichtiger Unterschied zum natürlichen Hormon ist die Wirkungsdauer. Während körpereigenes GLP-1 innerhalb weniger Minuten wieder abgebaut wird, sind GLP-1-Analoga so aufgebaut, dass sie deutlich länger im Körper wirksam bleiben. Dabei haben sie mehrere Effekte gleichzeitig. Sie fördern die Insulinausschüttung, wenn der Blutzuckerspiegel erhöht ist, und bremsen die Ausschüttung des Hormons Glukagon. Außerdem verlangsamen sie die Magenentleerung. Dadurch kann das Sättigungsgefühl länger anhalten.
Über entsprechende Rezeptoren im Gehirn beeinflussen GLP-1-Analoga zudem Hunger- und Sättigungssignale. Zusammengenommen erklären diese Wirkungen, warum die Medikamente einerseits den Blutzucker senken und andererseits auch die Gewichtsabnahme unterstützen können.
Die folgende Übersicht ordnet die verschiedenen Wirkstoffe neutral ein. Sie stellt keine Rangliste dar und ist nicht als Empfehlung für einen bestimmten Wirkstoff zu verstehen.
| Wirkstoff | Handelsname(n) | Anwendung | Status in Deutschland |
| Exenatid | Byetta® (2× täglich), Bydureon® (1× wöchentlich) | Typ-2-Diabetes | historischer Wirkstoff, in Deutschland nicht mehr durchgehend im Handel verfügbar |
| Lixisenatid | Lyxumia® | Typ-2-Diabetes | seit 2014 nach einer Auseinandersetzung um die Erstattungshöhe vom deutschen Markt genommen |
| Liraglutid | Victoza® (Diabetes), Saxenda® (Adipositas) | Typ-2-Diabetes und Adipositas, je nach Handelsname | verfügbar, tägliche Injektion |
| Dulaglutid | Trulicity® | ausschließlich Typ-2-Diabetes | verfügbar, wöchentliche Injektion |
| Semaglutid | Ozempic® (Diabetes), Wegovy® (Adipositas), Rybelsus® (Diabetes, oral) | Typ-2-Diabetes und Adipositas, je nach Handelsname | verfügbar, wöchentliche Injektion beziehungsweise tägliche Tablette |
Zu den klassischen GLP-1-Rezeptoragonisten gehören unter anderem:
Zwei weitere Wirkstoffe werden häufig ebenfalls zusammen mit GLP-1-Analoga genannt, unterscheiden sich aber in ihrem Wirkmechanismus:
Tirzepatid (Mounjaro®) wirkt nicht nur am GLP-1-Rezeptor, sondern zusätzlich am Rezeptor für das insulinotrope Peptid GIP. Es wird deshalb als dualer GIP-/GLP-1-Rezeptoragonist bezeichnet.
Retatrutid geht noch einen Schritt weiter: Der Wirkstoff ist ein sogenannter Triple-Agonist und wirkt zusätzlich am Glukagonrezeptor. Retatrutid befindet sich derzeit noch in der klinischen Prüfung und ist bislang in keinem Land zugelassen.
Auch Orforglipron gehört nicht zu den klassischen Peptid-Analoga. Dabei handelt es sich um einen niedrigmolekularen GLP-1-Rezeptoragonisten, der als Tablette eingenommen werden kann. In den USA wurde Orforglipron im April 2026 unter dem Handelsnamen Foundayo® zugelassen. Eine Zulassung in der EU steht bislang aus.
Bei GLP-1-Analoga lohnt sich ein genauer Blick auf die Zulassung. Denn auch wenn die Wirkstoffe zur gleichen oder zu einer verwandten Wirkstoffgruppe gehören, sind sie nicht automatisch für dieselben Anwendungsgebiete zugelassen.
Einige Wirkstoffe sind ausschließlich für die Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Dazu gehören beispielsweise Dulaglutid (Trulicity®) sowie Semaglutid in den Darreichungsformen Ozempic® und Rybelsus®. Auch ältere Wirkstoffe wie Exenatid und Lixisenatid wurden beziehungsweise werden in diesem Zusammenhang eingesetzt.
Dass ein Wirkstoff dabei auch zu einer Gewichtsabnahme führen kann, bedeutet nicht automatisch, dass er dafür zugelassen ist. Eine entsprechende Anwendung kann unter bestimmten Umständen außerhalb der zugelassenen Indikation erfolgen, ist dann aber eine sogenannte Off-Label-Anwendung.
Für die Behandlung von Adipositas beziehungsweise Übergewicht mit Begleiterkrankungen ist Semaglutid unter dem Handelsnamen Wegovy® zugelassen. Auch Liraglutid ist unter dem Namen Saxenda® für die Gewichtsreduktion zugelassen.
Bei einigen Wirkstoffen gibt es unterschiedliche Präparate beziehungsweise Handelsnamen für die verschiedenen Anwendungsgebiete. So ist Semaglutid unter Ozempic® für Typ-2-Diabetes und unter Wegovy® für die Behandlung von Adipositas zugelassen. Auch Liraglutid wird unter verschiedenen Handelsnamen eingesetzt: Victoza® bei Typ-2-Diabetes und Saxenda® zur Gewichtsreduktion. Der duale Wirkstoff Tirzepatid (Mounjaro®) ist sowohl für Typ-2-Diabetes als auch für Adipositas zugelassen. Je nach Anwendungsgebiet gelten dabei unterschiedliche Dosierungsempfehlungen.
Diese Unterscheidung ist nicht nur eine Formalität. Die Zulassung legt fest, für welche Erkrankung und welche Patientengruppe ein Arzneimittel auf Grundlage der entsprechenden Studien eingesetzt werden darf.
Da GLP-1-Analoga ähnliche Wirkmechanismen haben, überschneiden sich auch ihre Nebenwirkungen. Besonders häufig betreffen sie den Magen-Darm-Trakt.
Typisch sind beispielsweise:
Solche Beschwerden treten vor allem zu Beginn der Behandlung und häufig auch dann auf, wenn die Dosis erhöht wird.
Seltener können ernstere Nebenwirkungen wie eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Probleme mit der Gallenblase auftreten. Wie häufig einzelne Nebenwirkungen vorkommen, unterscheidet sich allerdings je nach Wirkstoff und Dosierung. Für genaue Angaben sind deshalb immer die jeweiligen Fach- und Gebrauchsinformationen des konkreten Präparats entscheidend.
Auch bei den Gegenanzeigen gibt es Gemeinsamkeiten, gleichzeitig unterscheiden sich die einzelnen Wirkstoffe in einigen Details. Ein wichtiger Klassenwarnhinweis betrifft Menschen mit einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte eines medullären Schilddrüsenkarzinoms sowie Menschen mit dem Syndrom der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN 2). Dieser Hinweis geht auf Beobachtungen aus präklinischen Studien mit Nagetieren zurück.
GLP-1-Analoga dürfen außerdem nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff oder einen seiner sonstigen Bestandteile besteht. Auch Schwangerschaft und Stillzeit gehören zu den Situationen, in denen eine Behandlung mit diesen Wirkstoffen nicht vorgesehen ist. Bei schweren Magen-Darm-Erkrankungen, beispielsweise einer ausgeprägten Gastroparese, sowie bei schweren Erkrankungen der Nieren oder Leber ist besondere ärztliche Vorsicht erforderlich. Hier stehen teilweise nur eingeschränkte Studiendaten zur Verfügung. Welche Gegenanzeigen tatsächlich gelten, hängt vom jeweiligen Wirkstoff ab. Entscheidend ist deshalb immer die Fachinformation des konkreten Arzneimittels.
Bevor ein GLP-1-Analogon verschrieben wird, steht eine ärztliche Abklärung. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob der Wirkstoff grundsätzlich zur gewünschten Behandlung passt.
Zunächst werden unter anderem Vorerkrankungen und bisher eingenommene Medikamente berücksichtigt. Außerdem wird geprüft, ob Gegenanzeigen oder andere Gründe gegen eine Behandlung sprechen. Anschließend können Nutzen, mögliche Risiken und – je nach Präparat und Indikation – auch die Kosten der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten besprochen werden. Welche Option am besten passt, sollte gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt entschieden werden. Eine solche Abklärung kann beispielsweise bei der Hausärztin oder beim Hausarzt, in einer spezialisierten Diabetes- oder Adipositas-Ambulanz oder über ein qualifiziertes telemedizinisches Angebot erfolgen.
GLP-1-Analoga ahmen die Wirkung des körpereigenen Darmhormons GLP-1 nach. Sie fördern unter anderem die Insulinausschüttung, bremsen die Glukagonfreisetzung und verlangsamen die Magenentleerung. Dadurch können sie sowohl bei der Blutzuckerkontrolle als auch bei der Gewichtsreduktion eine Rolle spielen. Trotz der gemeinsamen Wirkweise sind die einzelnen Wirkstoffe nicht gleich. Sie unterscheiden sich unter anderem in ihrer Zulassung, ihrer Verfügbarkeit, ihrer Anwendung und ihrer Wirkung. Während einige Präparate ausschließlich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen sind, können andere bei Adipositas eingesetzt werden. Manche Wirkstoffe sind für beide Anwendungsgebiete zugelassen. Einige ältere Vertreter der Wirkstoffklasse sind in Deutschland inzwischen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt erhältlich.
Welcher Wirkstoff im Einzelfall infrage kommt, hängt von der individuellen gesundheitlichen Situation und den jeweiligen Zulassungskriterien ab. Die Entscheidung sollte deshalb immer im Rahmen einer ärztlichen Abklärung getroffen werden.
Was ist der Unterschied zwischen GLP-1-Analoga und Tirzepatid?
GLP-1-Analoga wirken am GLP-1-Rezeptor. Tirzepatid (Mounjaro®) wirkt ebenfalls dort, bindet zusätzlich aber an den Rezeptor für das Hormon GIP. Deshalb wird Tirzepatid als dualer GIP-/GLP-1-Rezeptoragonist bezeichnet.
Sind alle GLP-1-Analoga zum Abnehmen zugelassen?
Nein. Nicht jedes GLP-1-Analogon ist für die Gewichtsreduktion zugelassen. Dulaglutid (Trulicity®) und Semaglutid in der Form Ozempic® sind beispielsweise zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Für die Gewichtsreduktion bei Adipositas sind Semaglutid unter dem Handelsnamen Wegovy® und Liraglutid unter dem Namen Saxenda® zugelassen.
Welche GLP-1-Analoga sind in Deutschland nicht mehr erhältlich?
Lixisenatid (Lyxumia®) wurde 2014 infolge einer Auseinandersetzung um die Erstattungshöhe vom deutschen Markt genommen. Auch Exenatid-Präparate wie Byetta® und Bydureon® sind in Deutschland inzwischen nicht mehr durchgehend verfügbar.
Wirken alle GLP-1-Analoga gleich stark?
Nein. Die Wirkung kann sich zwischen den einzelnen Wirkstoffen und Studien deutlich unterscheiden. Ältere Wirkstoffe wie Exenatid oder Liraglutid zeigten in Studien tendenziell geringere Effekte auf das Körpergewicht als neuere Wirkstoffe wie Semaglutid. Tirzepatid erzielte in Studien innerhalb dieser erweiterten Wirkstoffgruppe im Mittel eine stärkere Gewichtsreduktion. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Mensch gleich auf einen Wirkstoff reagiert. Das individuelle Ansprechen kann deutlich unterschiedlich ausfallen.
Kann meine Hausärztin / mein Hausarzt GLP-1-Analoga verschreiben?
Grundsätzlich können GLP-1-Analoga sowohl von Hausärztinnen und Hausärzten als auch von entsprechenden Fachärztinnen und Fachärzten verschrieben werden. Ob ein bestimmter Wirkstoff im Einzelfall infrage kommt, hängt unter anderem von der Diagnose, den jeweiligen Zulassungskriterien, möglichen Gegenanzeigen und weiteren gesundheitlichen Faktoren ab.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über die Wirkstoffklasse der GLP-1-Analoga und stellt keine Werbung für ein bestimmtes verschreibungspflichtiges Arzneimittel dar. Er enthält keine Empfehlung für oder gegen eine bestimmte Behandlung und keine Aufforderung, ein Rezept anzufragen oder ein bestimmtes Präparat zu bestellen. Ob eine Behandlung mit einem zugelassenen Präparat infrage kommt, sollte immer gemeinsam mit den behandelnden Ärzt:innen auf Grundlage der individuellen Krankengeschichte erfolgen.