Semaglutid gehört zur Wirkstoffklasse der GLP-1-Rezeptoragonisten (Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptoragonisten) und ahmt die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 nach. Dieses wird nach dem Essen im Darm ausgeschüttet und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Blutzucker, Hunger und Sättigung.
Semaglutid regt unter anderem die Insulinausschüttung an, verlangsamt die Magenentleerung und beeinflusst Sättigungssignale im Gehirn. Dadurch können Hungergefühl und Kalorienaufnahme sinken. Ursprünglich wurde der Wirkstoff zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt. Im Laufe der klinischen Forschung zeigte sich jedoch zusätzlich eine deutliche Wirkung auf das Körpergewicht, sodass Semaglutid später auch für die Behandlung von Adipositas zugelassen wurde.
In Deutschland ist Semaglutid unter drei verschiedenen Handelsnamen erhältlich. Obwohl alle drei Präparate denselben Wirkstoff enthalten, unterscheiden sie sich bei Indikation, Dosierung und Darreichungsform:
Wer Ozempic® oder Rybelsus® ausschließlich zur Gewichtsreduktion einsetzt, bewegt sich damit außerhalb der zugelassenen Anwendung. Eine solche Verordnung wird als Off-Label-Use bezeichnet, da beide Präparate für die Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen sind. Daneben wurde in den USA auf Basis des OASIS-Studienprogramms eine höher dosierte orale Semaglutid-Tablette mit 25 mg zur Gewichtsreduktion zugelassen. Ein Marktstart in den USA wurde für Anfang 2026 angekündigt. In der EU und damit auch in Deutschland ist diese hochdosierte orale Variante bislang nicht zugelassen.
Die Wirkung und Sicherheit von Semaglutid wurden in mehreren großen, randomisierten und placebokontrollierten Phase-III-Studienprogrammen untersucht. Dabei standen je nach Programm unterschiedliche Fragen im Mittelpunkt: von der Gewichtsreduktion über die Behandlung von Typ-2-Diabetes bis hin zu kardiovaskulären Risiken.
Das STEP-Studienprogramm („Semaglutide Treatment Effect in People with Obesity“) umfasst mehrere Phase-III-Studien mit insgesamt mehr als 4.500 Teilnehmenden und bildete die Grundlage für die Zulassung von Wegovy® in den USA im Jahr 2021 und in der EU im Jahr 2022.
Besonders bekannt ist die STEP-1-Studie, an der 1.961 Erwachsene mit einem BMI von mindestens 30 kg/m² beziehungsweise mindestens 27 kg/m² mit einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung teilnahmen. Nach 68 Wochen hatten die Teilnehmenden, die Semaglutid 2,4 mg erhielten, im Mittel 14,9 Prozent ihres Körpergewichts verloren. In der Placebogruppe waren es 2,4 Prozent. Insgesamt verloren 68 Prozent der Teilnehmenden unter Semaglutid mehr als 10 Prozent ihres Ausgangsgewichts.
Weitere STEP-Studien beschäftigten sich mit unterschiedlichen Fragestellungen. STEP 2 untersuchte beispielsweise Erwachsene mit Adipositas und Typ-2-Diabetes. STEP 4 ging der Frage nach, was passiert, wenn die Behandlung nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme beendet wird. Teilnehmende, die nach 20 Wochen auf Placebo umgestellt wurden, nahmen bis Woche 68 im Mittel wieder 6,9 Prozentpunkte des zuvor verlorenen Gewichts zu. Wer die Behandlung mit Semaglutid fortsetzte, nahm dagegen weiter ab. Auch die Zweijahresdaten aus STEP 5 sprechen dafür, dass sich die Gewichtsreduktion unter einer fortgesetzten Behandlung über diesen Zeitraum stabil halten lässt.
Das OASIS-Studienprogramm untersucht eine hochdosierte orale Semaglutid-Tablette mit 25 mg täglich zur Gewichtsreduktion. Dabei handelt es sich nicht um das bereits verfügbare Rybelsus®, das in niedrigeren Dosierungen ausschließlich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen ist.
In der Phase-3b-Studie OASIS 4 erhielten 307 Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer Begleiterkrankung über 64 Wochen entweder orales Semaglutid 25 mg oder Placebo. Bei den Teilnehmenden, die die Behandlung entsprechend der Vorgaben einnahmen, lag der durchschnittliche Gewichtsverlust bei 16,6 Prozent. Rund ein Drittel erreichte dabei eine Gewichtsreduktion von mindestens 20 Prozent. Post-hoc-Analysen zeigten außerdem Verbesserungen bei verschiedenen gesundheitlichen Parametern, darunter Blutdruck, CRP-Werte, Non-HDL-Cholesterin und Triglyzeride. Besonders deutlich waren diese Veränderungen bei den Teilnehmenden, die mindestens 15 Prozent ihres Körpergewichts verloren hatten.
Auf Basis des OASIS-Programms wurde die hochdosierte orale Semaglutid-Tablette in den USA von der FDA zugelassen. In der EU steht eine entsprechende Zulassung bislang aus.
Die SELECT-Studie beschäftigte sich mit einer anderen Frage: Kann Semaglutid bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas und einer bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse reduzieren, obwohl kein Diabetes vorliegt? Über einen Beobachtungszeitraum von bis zu fünf Jahren traten solche Ereignisse in der Semaglutid-Gruppe bei 6,5 Prozent der Teilnehmenden auf, was 569 Fällen entspricht. In der Placebogruppe waren es 8,0 Prozent beziehungsweise 701 Fälle. Damit zeigte sich eine statistisch signifikante relative Risikoreduktion von 20 Prozent. Absolut lag der Unterschied zwischen den Gruppen bei 1,5 Prozentpunkten. Die Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Auf Grundlage dieser Daten erweiterte die FDA die Zulassung von Wegovy® in den USA um die Reduktion kardiovaskulärer Risiken bei entsprechenden Patientengruppen. In der EU kam es dagegen nicht zu einer entsprechenden formalen Indikationserweiterung. Stattdessen empfahl die EMA, die kardiovaskulären Daten ergänzend in den Fachinformationstext aufzunehmen.
Das PIONEER-Programm umfasst zehn klinische Studien mit insgesamt mehr als 9.500 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und bildete die Grundlage für die Zulassung von Rybelsus®, der oralen Tablettenform von Semaglutid. In den Studien zeigte orales Semaglutid eine mindestens vergleichbare beziehungsweise stärkere HbA1c-Senkung als verschiedene Vergleichsbehandlungen, darunter der DPP-4-Hemmer Sitagliptin, das GLP-1-Analogon Liraglutid und der SGLT-2-Hemmer Empagliflozin. Gleichzeitig kam es zu einer Gewichtsreduktion von bis zu 4,3 kg.
Die Teilstudie PIONEER 6 wurde als kardiovaskuläre Sicherheitsstudie durchgeführt. Ihr primäres Ziel bestand darin, zu zeigen, dass orales Semaglutid hinsichtlich schwerer kardiovaskulärer Ereignisse nicht schlechter abschneidet als Placebo. Solche Ereignisse und auch die Gesamtmortalität traten unter Semaglutid numerisch seltener auf. Die Studie war allerdings nicht darauf ausgelegt, eine statistische Überlegenheit gegenüber Placebo nachzuweisen.
Wie bei anderen GLP-1-Rezeptoragonisten betreffen die häufigsten Nebenwirkungen von Semaglutid den Magen-Darm-Trakt. Besonders zu Beginn der Behandlung und bei einer Dosissteigerung können Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung auftreten. Seltener, aber medizinisch relevant, sind unter anderem Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder Gallenblasenprobleme. Auch Veränderungen der Nierenfunktion können auftreten, insbesondere wenn es durch starkes Erbrechen oder Durchfall zu einem ausgeprägten Flüssigkeitsverlust kommt.
Welche Nebenwirkungen wie häufig auftreten und welche Wechselwirkungen berücksichtigt werden müssen, hängt unter anderem vom konkreten Präparat und der Dosierung ab. Die vollständigen Angaben finden sich in der jeweiligen Fachinformation und Packungsbeilage.
Semaglutid darf laut Fachinformation nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile besteht. Gleiches gilt bei einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte eines medullären Schilddrüsenkarzinoms oder des Syndroms der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN 2). Dieser Warnhinweis geht auf Beobachtungen bei Nagetieren in präklinischen Studien zurück und gilt als Klassenwarnhinweis für GLP-1-Rezeptoragonisten. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit darf Semaglutid nicht angewendet werden. Aufgrund der langen Halbwertszeit des Wirkstoffs sollte die Behandlung laut Fachinformation mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft beendet werden.
Ozempic® und Rybelsus® sind außerdem nicht zur Behandlung von Typ-1-Diabetes oder einer diabetischen Ketoazidose zugelassen. Besondere ärztliche Vorsicht ist darüber hinaus bei schweren Magen-Darm-Erkrankungen wie einer ausgeprägten Gastroparese sowie bei schweren Erkrankungen der Nieren oder Leber erforderlich, da für diese Situationen nur eingeschränkte Studiendaten vorliegen.
Welche dieser Einschränkungen im Einzelfall relevant ist, kann nur die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand der individuellen Krankengeschichte beurteilen.
Vor einer Behandlung mit Semaglutid steht unabhängig vom jeweiligen Präparat eine ausführliche ärztliche Abklärung. Dabei werden unter anderem Vorerkrankungen und bisher eingenommene Medikamente berücksichtigt, mögliche Gegenanzeigen geprüft und Nutzen, Risiken sowie gegebenenfalls die Kosten der Behandlung besprochen. Anschließend wird gemeinsam entschieden, ob und welches Präparat für die jeweilige Situation infrage kommt.
Semaglutid ist ein GLP-1-Rezeptoragonist, dessen Wirkung und Sicherheit in mehreren großen Studienprogrammen untersucht wurden. Während STEP vor allem die Gewichtsreduktion untersuchte, beschäftigte sich OASIS mit hochdosiertem oralem Semaglutid, SELECT mit kardiovaskulären Ereignissen und PIONEER mit der Behandlung von Typ-2-Diabetes und der oralen Einnahme von Semaglutid. Je nach Indikation und Darreichungsform ist der Wirkstoff unter den Handelsnamen Ozempic®, Wegovy® oder Rybelsus® zugelassen. Die drei Präparate enthalten zwar denselben Wirkstoff, unterscheiden sich jedoch bei Zulassung, Dosierung und Anwendung.
Ob Semaglutid im Einzelfall geeignet ist und welches Präparat infrage kommt, hängt von der individuellen gesundheitlichen Situation und den jeweiligen Zulassungskriterien ab. Die Entscheidung sollte deshalb immer im Rahmen einer ärztlichen Abklärung getroffen werden.
Was ist der Unterschied zwischen Ozempic®, Wegovy® und Rybelsus®?
Alle drei Präparate enthalten den Wirkstoff Semaglutid, sind aber für unterschiedliche Indikationen und in unterschiedlichen Darreichungsformen zugelassen. Ozempic® wird als Injektion und Rybelsus® als Tablette zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt. Wegovy® wird ebenfalls als Injektion verabreicht und ist speziell zur Gewichtsreduktion bei Adipositas oder Übergewicht mit Begleiterkrankung zugelassen.
Was hat die SELECT-Studie gezeigt?
Die SELECT-Studie zeigte bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung eine statistisch signifikante Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse unter Semaglutid 2,4 mg gegenüber Placebo. Über bis zu fünf Jahre traten solche Ereignisse bei 6,5 Prozent der Teilnehmenden unter Semaglutid und bei 8,0 Prozent unter Placebo auf. In den USA führte dies zu einer Erweiterung der Zulassung. In der EU wurde stattdessen der Fachinformationstext innerhalb der bestehenden Zulassung ergänzt.
Gibt es Semaglutid schon als Tablette zum Abnehmen in Deutschland?
Rybelsus® ist in Deutschland als Semaglutid-Tablette erhältlich, allerdings ausschließlich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Eine höher dosierte orale Semaglutid-Tablette zur Gewichtsreduktion wurde auf Basis des OASIS-Studienprogramms in den USA zugelassen. In Deutschland und der EU liegt hierfür bislang keine entsprechende Zulassung vor.
Für wen ist Semaglutid nicht geeignet?
Semaglutid ist unter anderem bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte eines medullären Schilddrüsenkarzinoms oder eines MEN-2-Syndroms sowie während Schwangerschaft und Stillzeit nicht anzuwenden. Die vollständigen Gegenanzeigen hängen vom jeweiligen Präparat ab und sollten mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Wirkt Semaglutid bei allen Menschen gleich?
Nein. Die in Studien wie STEP oder OASIS 4 genannten Werte sind Durchschnittswerte aus den jeweiligen Studiengruppen und lassen sich nicht eins zu eins auf jede einzelne Person übertragen. Das individuelle Ansprechen kann unter anderem von Dosierung, Ausgangsgewicht, Begleittherapien und weiteren persönlichen Faktoren abhängen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über den Wirkstoff Semaglutid, seine Studienlage und seine Zulassungen und stellt keine Werbung für ein bestimmtes verschreibungspflichtiges Arzneimittel dar. Er enthält keine Empfehlung für oder gegen eine bestimmte Behandlung und keine Aufforderung, ein Rezept anzufragen oder ein bestimmtes Präparat zu bestellen. Ob eine Behandlung mit einem zugelassenen Präparat infrage kommt, sollte immer gemeinsam mit den behandelnden Ärzt:innen auf Grundlage der individuellen Krankengeschichte erfolgen.
Semaglutid gehört zur Wirkstoffklasse der GLP-1-Rezeptoragonisten (Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptoragonisten) und ahmt die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 nach. Dieses wird nach dem Essen im Darm ausgeschüttet und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Blutzucker, Hunger und Sättigung.
Semaglutid regt unter anderem die Insulinausschüttung an, verlangsamt die Magenentleerung und beeinflusst Sättigungssignale im Gehirn. Dadurch können Hungergefühl und Kalorienaufnahme sinken. Ursprünglich wurde der Wirkstoff zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt. Im Laufe der klinischen Forschung zeigte sich jedoch zusätzlich eine deutliche Wirkung auf das Körpergewicht, sodass Semaglutid später auch für die Behandlung von Adipositas zugelassen wurde.
In Deutschland ist Semaglutid unter drei verschiedenen Handelsnamen erhältlich. Obwohl alle drei Präparate denselben Wirkstoff enthalten, unterscheiden sie sich bei Indikation, Dosierung und Darreichungsform:
Wer Ozempic® oder Rybelsus® ausschließlich zur Gewichtsreduktion einsetzt, bewegt sich damit außerhalb der zugelassenen Anwendung. Eine solche Verordnung wird als Off-Label-Use bezeichnet, da beide Präparate für die Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen sind. Daneben wurde in den USA auf Basis des OASIS-Studienprogramms eine höher dosierte orale Semaglutid-Tablette mit 25 mg zur Gewichtsreduktion zugelassen. Ein Marktstart in den USA wurde für Anfang 2026 angekündigt. In der EU und damit auch in Deutschland ist diese hochdosierte orale Variante bislang nicht zugelassen.
Die Wirkung und Sicherheit von Semaglutid wurden in mehreren großen, randomisierten und placebokontrollierten Phase-III-Studienprogrammen untersucht. Dabei standen je nach Programm unterschiedliche Fragen im Mittelpunkt: von der Gewichtsreduktion über die Behandlung von Typ-2-Diabetes bis hin zu kardiovaskulären Risiken.
Das STEP-Studienprogramm („Semaglutide Treatment Effect in People with Obesity“) umfasst mehrere Phase-III-Studien mit insgesamt mehr als 4.500 Teilnehmenden und bildete die Grundlage für die Zulassung von Wegovy® in den USA im Jahr 2021 und in der EU im Jahr 2022.
Besonders bekannt ist die STEP-1-Studie, an der 1.961 Erwachsene mit einem BMI von mindestens 30 kg/m² beziehungsweise mindestens 27 kg/m² mit einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung teilnahmen. Nach 68 Wochen hatten die Teilnehmenden, die Semaglutid 2,4 mg erhielten, im Mittel 14,9 Prozent ihres Körpergewichts verloren. In der Placebogruppe waren es 2,4 Prozent. Insgesamt verloren 68 Prozent der Teilnehmenden unter Semaglutid mehr als 10 Prozent ihres Ausgangsgewichts.
Weitere STEP-Studien beschäftigten sich mit unterschiedlichen Fragestellungen. STEP 2 untersuchte beispielsweise Erwachsene mit Adipositas und Typ-2-Diabetes. STEP 4 ging der Frage nach, was passiert, wenn die Behandlung nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme beendet wird. Teilnehmende, die nach 20 Wochen auf Placebo umgestellt wurden, nahmen bis Woche 68 im Mittel wieder 6,9 Prozentpunkte des zuvor verlorenen Gewichts zu. Wer die Behandlung mit Semaglutid fortsetzte, nahm dagegen weiter ab. Auch die Zweijahresdaten aus STEP 5 sprechen dafür, dass sich die Gewichtsreduktion unter einer fortgesetzten Behandlung über diesen Zeitraum stabil halten lässt.
Das OASIS-Studienprogramm untersucht eine hochdosierte orale Semaglutid-Tablette mit 25 mg täglich zur Gewichtsreduktion. Dabei handelt es sich nicht um das bereits verfügbare Rybelsus®, das in niedrigeren Dosierungen ausschließlich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen ist.
In der Phase-3b-Studie OASIS 4 erhielten 307 Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer Begleiterkrankung über 64 Wochen entweder orales Semaglutid 25 mg oder Placebo. Bei den Teilnehmenden, die die Behandlung entsprechend der Vorgaben einnahmen, lag der durchschnittliche Gewichtsverlust bei 16,6 Prozent. Rund ein Drittel erreichte dabei eine Gewichtsreduktion von mindestens 20 Prozent. Post-hoc-Analysen zeigten außerdem Verbesserungen bei verschiedenen gesundheitlichen Parametern, darunter Blutdruck, CRP-Werte, Non-HDL-Cholesterin und Triglyzeride. Besonders deutlich waren diese Veränderungen bei den Teilnehmenden, die mindestens 15 Prozent ihres Körpergewichts verloren hatten.
Auf Basis des OASIS-Programms wurde die hochdosierte orale Semaglutid-Tablette in den USA von der FDA zugelassen. In der EU steht eine entsprechende Zulassung bislang aus.
Die SELECT-Studie beschäftigte sich mit einer anderen Frage: Kann Semaglutid bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas und einer bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse reduzieren, obwohl kein Diabetes vorliegt? Über einen Beobachtungszeitraum von bis zu fünf Jahren traten solche Ereignisse in der Semaglutid-Gruppe bei 6,5 Prozent der Teilnehmenden auf, was 569 Fällen entspricht. In der Placebogruppe waren es 8,0 Prozent beziehungsweise 701 Fälle. Damit zeigte sich eine statistisch signifikante relative Risikoreduktion von 20 Prozent. Absolut lag der Unterschied zwischen den Gruppen bei 1,5 Prozentpunkten. Die Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Auf Grundlage dieser Daten erweiterte die FDA die Zulassung von Wegovy® in den USA um die Reduktion kardiovaskulärer Risiken bei entsprechenden Patientengruppen. In der EU kam es dagegen nicht zu einer entsprechenden formalen Indikationserweiterung. Stattdessen empfahl die EMA, die kardiovaskulären Daten ergänzend in den Fachinformationstext aufzunehmen.
Das PIONEER-Programm umfasst zehn klinische Studien mit insgesamt mehr als 9.500 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und bildete die Grundlage für die Zulassung von Rybelsus®, der oralen Tablettenform von Semaglutid. In den Studien zeigte orales Semaglutid eine mindestens vergleichbare beziehungsweise stärkere HbA1c-Senkung als verschiedene Vergleichsbehandlungen, darunter der DPP-4-Hemmer Sitagliptin, das GLP-1-Analogon Liraglutid und der SGLT-2-Hemmer Empagliflozin. Gleichzeitig kam es zu einer Gewichtsreduktion von bis zu 4,3 kg.
Die Teilstudie PIONEER 6 wurde als kardiovaskuläre Sicherheitsstudie durchgeführt. Ihr primäres Ziel bestand darin, zu zeigen, dass orales Semaglutid hinsichtlich schwerer kardiovaskulärer Ereignisse nicht schlechter abschneidet als Placebo. Solche Ereignisse und auch die Gesamtmortalität traten unter Semaglutid numerisch seltener auf. Die Studie war allerdings nicht darauf ausgelegt, eine statistische Überlegenheit gegenüber Placebo nachzuweisen.
Wie bei anderen GLP-1-Rezeptoragonisten betreffen die häufigsten Nebenwirkungen von Semaglutid den Magen-Darm-Trakt. Besonders zu Beginn der Behandlung und bei einer Dosissteigerung können Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung auftreten. Seltener, aber medizinisch relevant, sind unter anderem Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder Gallenblasenprobleme. Auch Veränderungen der Nierenfunktion können auftreten, insbesondere wenn es durch starkes Erbrechen oder Durchfall zu einem ausgeprägten Flüssigkeitsverlust kommt.
Welche Nebenwirkungen wie häufig auftreten und welche Wechselwirkungen berücksichtigt werden müssen, hängt unter anderem vom konkreten Präparat und der Dosierung ab. Die vollständigen Angaben finden sich in der jeweiligen Fachinformation und Packungsbeilage.
Semaglutid darf laut Fachinformation nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile besteht. Gleiches gilt bei einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte eines medullären Schilddrüsenkarzinoms oder des Syndroms der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN 2). Dieser Warnhinweis geht auf Beobachtungen bei Nagetieren in präklinischen Studien zurück und gilt als Klassenwarnhinweis für GLP-1-Rezeptoragonisten. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit darf Semaglutid nicht angewendet werden. Aufgrund der langen Halbwertszeit des Wirkstoffs sollte die Behandlung laut Fachinformation mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft beendet werden.
Ozempic® und Rybelsus® sind außerdem nicht zur Behandlung von Typ-1-Diabetes oder einer diabetischen Ketoazidose zugelassen. Besondere ärztliche Vorsicht ist darüber hinaus bei schweren Magen-Darm-Erkrankungen wie einer ausgeprägten Gastroparese sowie bei schweren Erkrankungen der Nieren oder Leber erforderlich, da für diese Situationen nur eingeschränkte Studiendaten vorliegen.
Welche dieser Einschränkungen im Einzelfall relevant ist, kann nur die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand der individuellen Krankengeschichte beurteilen.
Vor einer Behandlung mit Semaglutid steht unabhängig vom jeweiligen Präparat eine ausführliche ärztliche Abklärung. Dabei werden unter anderem Vorerkrankungen und bisher eingenommene Medikamente berücksichtigt, mögliche Gegenanzeigen geprüft und Nutzen, Risiken sowie gegebenenfalls die Kosten der Behandlung besprochen. Anschließend wird gemeinsam entschieden, ob und welches Präparat für die jeweilige Situation infrage kommt.
Semaglutid ist ein GLP-1-Rezeptoragonist, dessen Wirkung und Sicherheit in mehreren großen Studienprogrammen untersucht wurden. Während STEP vor allem die Gewichtsreduktion untersuchte, beschäftigte sich OASIS mit hochdosiertem oralem Semaglutid, SELECT mit kardiovaskulären Ereignissen und PIONEER mit der Behandlung von Typ-2-Diabetes und der oralen Einnahme von Semaglutid. Je nach Indikation und Darreichungsform ist der Wirkstoff unter den Handelsnamen Ozempic®, Wegovy® oder Rybelsus® zugelassen. Die drei Präparate enthalten zwar denselben Wirkstoff, unterscheiden sich jedoch bei Zulassung, Dosierung und Anwendung.
Ob Semaglutid im Einzelfall geeignet ist und welches Präparat infrage kommt, hängt von der individuellen gesundheitlichen Situation und den jeweiligen Zulassungskriterien ab. Die Entscheidung sollte deshalb immer im Rahmen einer ärztlichen Abklärung getroffen werden.
Was ist der Unterschied zwischen Ozempic®, Wegovy® und Rybelsus®?
Alle drei Präparate enthalten den Wirkstoff Semaglutid, sind aber für unterschiedliche Indikationen und in unterschiedlichen Darreichungsformen zugelassen. Ozempic® wird als Injektion und Rybelsus® als Tablette zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt. Wegovy® wird ebenfalls als Injektion verabreicht und ist speziell zur Gewichtsreduktion bei Adipositas oder Übergewicht mit Begleiterkrankung zugelassen.
Was hat die SELECT-Studie gezeigt?
Die SELECT-Studie zeigte bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung eine statistisch signifikante Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse unter Semaglutid 2,4 mg gegenüber Placebo. Über bis zu fünf Jahre traten solche Ereignisse bei 6,5 Prozent der Teilnehmenden unter Semaglutid und bei 8,0 Prozent unter Placebo auf. In den USA führte dies zu einer Erweiterung der Zulassung. In der EU wurde stattdessen der Fachinformationstext innerhalb der bestehenden Zulassung ergänzt.
Gibt es Semaglutid schon als Tablette zum Abnehmen in Deutschland?
Rybelsus® ist in Deutschland als Semaglutid-Tablette erhältlich, allerdings ausschließlich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Eine höher dosierte orale Semaglutid-Tablette zur Gewichtsreduktion wurde auf Basis des OASIS-Studienprogramms in den USA zugelassen. In Deutschland und der EU liegt hierfür bislang keine entsprechende Zulassung vor.
Für wen ist Semaglutid nicht geeignet?
Semaglutid ist unter anderem bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte eines medullären Schilddrüsenkarzinoms oder eines MEN-2-Syndroms sowie während Schwangerschaft und Stillzeit nicht anzuwenden. Die vollständigen Gegenanzeigen hängen vom jeweiligen Präparat ab und sollten mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Wirkt Semaglutid bei allen Menschen gleich?
Nein. Die in Studien wie STEP oder OASIS 4 genannten Werte sind Durchschnittswerte aus den jeweiligen Studiengruppen und lassen sich nicht eins zu eins auf jede einzelne Person übertragen. Das individuelle Ansprechen kann unter anderem von Dosierung, Ausgangsgewicht, Begleittherapien und weiteren persönlichen Faktoren abhängen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über den Wirkstoff Semaglutid, seine Studienlage und seine Zulassungen und stellt keine Werbung für ein bestimmtes verschreibungspflichtiges Arzneimittel dar. Er enthält keine Empfehlung für oder gegen eine bestimmte Behandlung und keine Aufforderung, ein Rezept anzufragen oder ein bestimmtes Präparat zu bestellen. Ob eine Behandlung mit einem zugelassenen Präparat infrage kommt, sollte immer gemeinsam mit den behandelnden Ärzt:innen auf Grundlage der individuellen Krankengeschichte erfolgen.