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Elke Habekost
Elke Habekost
Redakteurin
Lesezeit:
6 Minuten
Veröffentlichungsdatum
19.03.2026
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Autoimmune Awareness Month: Wenn das Immunsystem zum Gegner wird
Gut zu wissen

Autoimmune Awareness Month: Wenn das Immunsystem zum Gegner wird

Autoimmune Awareness Month: Wenn das Immunsystem zum Gegner wird

Unklare Symptome, schwierige Diagnosen und eine unsichtbare Belastung: Autoimmunerkrankungen werden immer häufiger. Doch gerade für die Betroffenen ist der Weg lang und mühsam. Nicht nur aus medizinischer Sicht!



Millionen Menschen weltweit leiden. Im Stillen, ohne klare Diagnose. Denn auch – oder gerade weil – Autoimmunerkrankungen zu den komplexesten Krankheitsbildern unserer Zeit gehören, ist der Weg bis hin zu einer klaren Diagnose oft mit diffusen Schmerzen, anhaltender Müdigkeit, herausfordernden Infekten und vor allem viel Geduld gepflastert. Betroffen sind schätzungsweise rund fünf bis acht Prozent der Weltbevölkerung. Damit zählen Autoimmunerkrankungen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt. 

Doch was verbirgt sich hinter der Krankheit, auf die besonders im März jeden Jahres der Blick gerichtet wird? Einfach ausgedrückt ist bei Autoimmunerkrankungen genau das System aus dem Gleichgewicht, das sonst als hochpräzises Schutzsystem fungiert: unser Immunsystem. Dieses erkennt für gewöhnlich Viren, Bakterien und andere Eindringlinge und bekämpft diese gezielt. Doch bei Menschen, die an einer Autoimmunerkrankung leiden, verliert der Körper die Fähigkeit, zwischen fremd und eigen zu unterscheiden: Die Folge: Er greift plötzlich gesundes Gewebe an, was zu chronischen Entzündungen führen und die Organe und das Gewebe dauerhaft schädigen kann.


Wie viele Menschen sind betroffen?

Autoimmunerkrankungen sind keine seltene Erkrankung, denn immerhin sind gut eine halbe Million Menschen auf der ganzen Welt davon betroffen. Vor allem in Deutschland ist die Zahl der bestätigten Fälle in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Damit gehören Autoimmunerkrankungen nach Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen zu den häufigsten Krankheitsgruppen.

Insgesamt sind mehr als 80 verschiedene Arten von Autoimmunerkrankungen bekannt. Dabei sind diese so unterschiedlich, wie man es sich nur vorstellen kann. Manche betreffen einzelne Organe, andere den ganzen Körper. Zu den häufigsten zählen Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüse), Rheumatoide Arthritis (Gelenke), Psoriasis (Schuppenflechte), Typ-1-Diabetes (Bauchspeicheldrüse) sowie Multiple Sklerose (Nervensystem). Eines haben alle Krankheiten gemeinsam: Das Immunsystem richtet sich dabei gegen den eigenen Körper. Doch die Symptome dabei können völlig unterschiedlich sein. 


Die Symptome sind vielseitig und schwer greifbar

Genau das ist auch das Problem bei Autoimmunerkrankungen: Sie sind durch ihre Komplexität schwer greifbar. Es gibt keine typischen Beschwerden, die immer gleich auftreten und sich direkt einer Krankheit zuordnen lassen. Generell lässt sich allerdings sagen, dass Betroffene häufig an chronische Müdigkeit und Erschöpfung, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Hautveränderungen, Verdauungsproblemen, wiederkehrenden Infekten, Fieber oder einem allgemeinen Krankheitsgefühl leiden. Je nach Erkrankung können auch spezifische Beschwerden wie neurologische Ausfälle oder hormonelle Störungen auftreten.


Der lange Weg zur Diagnose

Genau aus diesem Grund dauert es häufig so lange, bis die Diagnose Autoimmunerkrankung wirklich gestellt werden kann. Denn die unspezifischen Symptome lassen sich zunächst nicht eindeutig zuordnen. Außerdem verläuft die Krankheit in Schüben. Das heißt, es gibt bessere und schlechtere Zeiten, wodurch die Patient:innen vielleicht die Suche nach einem Namen für ihre Probleme in guten Phasen kurzzeitig wieder außer Acht lassen. 

Steht der Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung allerdings im Raum, braucht es mehrere Untersuchungen, um eine gesicherte Diagnose stellen zu können. Häufig müssen zunächst andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Dann werden Bluttests, Antikörpernachweise, bildgebende Verfahren zur Hilfe genommen, um herauszufinden, wo die Ursache wirklich liegt. Nicht selten bis zur richtigen Diagnose viele Jahre, was für Betroffene natürlich eine enorme Belastung darstellt.


Das Risiko für Depressionen steigt

Immerhin darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Autoimmunerkrankungen nicht nur den Körper betreffen, sondern auch die Psyche. Chronische Schmerzen, Erschöpfung und Unsicherheit können das Leben stark einschränken. Hinzu kommt das anhaltende Gefühl, von keinem richtig verstanden zu werden. Gerade wenn die Diagnose noch nicht Schwarz auf Weiß auf dem Tisch liegt. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, zeigen Studien, dass chronische Entzündungsprozesse selbst das Risiko für Depressionen erhöhen können. Gefühle von Erschöpfung und Antriebslosigkeit, Ängsten und Unsicherheiten, depressiven Verstimmungen und sozialer Isolation gehören zum Alltag dazu. Kurz: Die Erkrankung wird zur doppelten Herausforderung: körperlich und mental.


Ohne eine individuelle Therapie geht nichts

Vor allem, weil sich eine Autoimmunerkrankung bislang nicht heilen lässt. Die Krankheit wird einem also das ganze Leben lang begleiten. Ziel ist es dabei, eine Behandlung zu finden, die auf deine individuellen Bedürfnisse und Probleme angepasst wird. Dabei soll das Immunsystem reguliert werden, Entzündungen reduziert und Symptome gelindert werden. Und das ohne ein vorgespanntes Schema. Denn jede Erkrankung und jeder Verlauf ist anders. Genau deshalb ist ein individueller Therapieansatz so wichtig, um dem Leben wieder Qualität zu schenken.


Betroffene brauchen Unterstützung von anderen

So individuell Autoimmunerkrankungen verlaufen, so wichtig ist der Austausch mit anderen. Selbsthilfegruppen (ob vor Ort oder digital) bieten Raum, Erfahrungen zu teilen, Verständnis zu finden und praktische Tipps für den Alltag zu bekommen. Organisationen wie die Deutsche Rheuma-Liga oder die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (dmsg) informieren fundiert über Krankheitsbilder, Therapien und aktuelle Entwicklungen. Auch Online-Communities können eine wertvolle Ergänzung sein. Gerade für Menschen, die im Alltag wenig Unterstützung erfahren. Ergänzend helfen psychologische Beratungsangebote oder Coachings dabei, besser mit der chronischen Belastung umzugehen. Entscheidend ist es, Hilfe anzunehmen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Schritt, um langfristig stabil zu bleiben. Und zwar sowohl körperlich als auch mental.

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